Eine Geschichtenerzählerin und ein Puppentheater an der Eisenhart-Schule

Auch im Mai 2018 gibt es wieder ein Erlebnis der besonderen Art für unsere Schülerinnen und Schüler.
Der Förderverein unterstützt diese Bereicherung des Schullebens finanziell und wünscht allen Kindern bei dieser Aktion viel Vergnügen.

Auf die Klassen 1, 2 und 3 wartet die  Erzählerin und Theaterpädagogin Suse Weisse aus Potsdam, die für ihre Erzählkunst schon mehrfach mit Preisen ausgezeichnet wurde. Sie kommt 2018 zum dritten Mal an unsere Schule und nimmt die Kinder mit auf eine phantastische Geschichten-Reise.

Die Klassen 4-6 kommen in den Genuss des Marionettentheaters Bille aus Markkleeberg bei Leipzig, eins der ältesten in Deutschland: Die Klassen 4 und 5 sehen ein Märchen der Gebrüder Grimm, die 6. Klassen das Puppenspiel von Doktor Faustus als Ergänzung zum vorher behandelten Unterrichtsstoffes. Dies hat an unserer Schule seit vielen Jahren Tradition.

Gastbeitrag von Suse Weisse:

„Sind die Wörter und die Leute alle in deinem Kopf? Wo hast du dein Buch? Das war jetzt wie Kino in meinem Kopf.
Seit fünfzehn Jahren erzähle ich Geschichten in Schulen, Bibliotheken, Schlössern, kleinen Theatern, auf Festivals. Ich brauche keinen Tisch und keine noch so gut gemeinte Leselampe, ich habe – wie es ein Grundschulkind einmal so treffend formulierte – die Wörter alle in meinem Kopf und meinem Bauch. Aber das Erzählen ist ein lebendiger, dem Augenblick verbundener Vorgang und nicht die Wörter rufe ich ab während der Erzählung sondern vielmehr die Bilder, ihre Abfolge aber auch Geräusche und Sinneseindrücke, den emotionalen Gehalt.

Ich wähle eine Geschichte aus, die mich berührt und die mir gefällt.
Das ist wichtig: Niemals erzähle ich eine Geschichte, die mir nicht wirklich etwas bedeutet. Dafür muss ich die Geschichte inhaltlich gut durchdrungen haben und mir selbst über meine Haltung zu dieser Geschichte, ihren Figuren und Ereignissen im Klaren sein. „Der Fundevogel“ gehört zu meinen Lieblingsmärchen aus der Kinder-und Hausmärchen Sammlung der Brüder Grimm. Der unbedingte Zusammenhalt der Kinder, aus dem so viel Hoffnung in der Not erwächst und Wunder bewirkt, berühren mich. Die starken Archetypen der gefräßigen Mutter, des freundlichen aber abwesenden Vaters beeindrucken mich nachhaltig und lassen viel Raum für Phantasie und Gestaltung. Die Geschichte ist nicht wirklich vorhersehbar, die Spannung steigt bis zum Schluss und dem überraschenden Ende an.

Die Geschichte entsteht im Austausch mit den Kindern
Während der Erzählung spiegelt sich auf den Gesichtern der Zuhörer die Geschichte wieder: Schreck und Angst, Freude und Erleichterung zeigen ihre Gesichter analog zu den Empfindungen der Protagonisten meiner Geschichte. Dabei kann dies von Mal zu Mal unterschiedlich ausfallen. Wenn Fundevogel und Lenchen sich verwandeln und von den Knechten nicht erkannt werden, kann das erschreckend oder abenteuerlich sein. Geht von den Kindern eine solche abenteuerlustige Stimmung aus, baue ich das intuitiv in meine Geschichte ein: Lenchen und Fundevogel werden dann auch mutiger oder ängstlicher, was sich weniger in meinen Worten als durch die Stimme und Körperlichkeit ausdrückt.
Hier bietet sich dann auch die Möglichkeit, die Kinder aktiv mit einzubeziehen. Der Treueschwur wird jedes Mal wiederholt und ermöglicht die lebensrettende Verwandlung der Geschwister. Diesen Treueschwur sprechen die Kinder sehr gerne mit. Und auch, was den Knechten vorenthalten bleibt: „Kein Tee, kein Schwarzbrot, kein Zuckerstück.“
Wiederholungen geben den Märchen Struktur und den Zuhörern Sicherheit. Deshalb stilisiere ich diese Wiederholungen, bleibe beim gleichen Wortlaut für diese Formeln und mache eine bedrohliche Geschichte in kleinen Teilen berechenbar:

Verlässt du mich nicht, so verlass ich dich auch nicht. – Nun nicht und niemals nicht verlass ich dich.“

— Suse Weisse, Geschichtenerzählerin Storyteller